Wenn Coding-Agenten wie Claude Code oder Cursor an einem Design System scheitern, liegt die Ursache häufig weniger im Modell als in Wissen, das in keinem Dokument festgehalten ist.
In vielen Produktteams funktioniert das Design System, weil Menschen seine Lücken ausgleichen. Aus Retros und Flurgesprächen ist bekannt, dass eine Komponente eigentlich abgelöst ist, dass eine Eigenschaft einen Fehler hat oder dass es einen Farbwert zwar gibt, er aber nie als Hintergrund eines Dialogs gedacht war.
Ein Agent verfügt über dieses Wissen nicht. Ilya Greben von Design Systems Surf fasst es in einer Überschrift zusammen: „Every missing decision becomes an AI guess.“ Jede fehlende Entscheidung wird zu einer Vermutung, denn der Agent liefert in jedem Fall ein Ergebnis.
Wie das in der Praxis aussieht
Atlassian hat beschrieben, was geschah, als die ersten KI-Prototypen im eigenen System entstanden. Die Ergebnisse wirkten plausibel und waren trotzdem falsch, mit falschen Komponenten-Importen, falschen Token-Namen und Icons, die zur Marke passen, aber nicht existieren (Bericht im Atlassian-Blog). Problematisch ist, dass solche Fehler auf den ersten Blick nicht auffallen.
Was ein System festhalten muss
Drei Maßnahmen bilden einen sinnvollen Ausgangspunkt. Sie ergeben sich aus dem beschriebenen Problem und sind nicht durch eine Studie belegt:
- Strukturierte Beschreibungen. Eigenschaften, erlaubte Werte und Kombinationen einer Komponente sind in einer Form festgehalten, die sich prüfen lässt.
- Tokens mit Zweck. Ein Farb-Token enthält neben seinem Wert auch die zugehörige Regel, zum Beispiel:
color-dangernur für Aktionen, die sich nicht rückgängig machen lassen. - Ein sichtbarer Lebenszyklus. Einen Status wie „inoffiziell abgelöst“ kann ein Agent nicht erkennen. Zustände wie
experimental,stableunddeprecatedgehören deshalb in die Beschreibung der Komponente.
Eine Dokumentation, die vollständig wirkt, reicht dafür nicht aus. Bei der Prüfung des eigenen Systems lohnt sich die Frage, welches Wissen bislang nur bei langjährigen Teammitgliedern liegt.
Aus der Reihe „Design Systems und KI“. Weiter: Drei Design Systeme, die sich für Agenten geöffnet haben.
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